Eine Nacht auf dem Gipfel

Eine Zeltnacht auf einem Gipfel ist das Ziel. Vom Menzberg aus sichtbar, flach, höher als die Waldgrenze und nicht im Naturschutzgebiet soll mein Übernachtungsort sein. Mit meinem Vater schaue ich vom Oberlehnhoger in die Berge. Wir diskutieren die Möglichkeiten entlang der Pilatuskette. Wir verwerfen einen Gipfel und Grat nach dem anderen. Zu steil das Gelände und wo es ein wenig flacher ist, steht eine Hütte oder ein Hotel. Ausser auf dem Schimbrig, den die Landeskarte umständlich Schimberig nennt.

Am nächste Morgen packe ich meine Ausrüstung. Ich werde sentimental als ich meine Zeltausrüstung prüfe. Zu lange lag es seit dem letzten grossen Zelt-Abenteuer im Keller. Als ich mich erinnere, wie ungern ich auf dem kleinen Zeltmätteli schlafe ist die Melancholie wieder verflogen.

Meine Eltern bringen mich zum Startpunkt an der Glaubenbergstrasse. Ich wandere hoch durch Kuhweiden und auf Forstrassen. Beim Schimbrigbad trinke ich das Schwefelwasser. Als Kind hat mich dieses nach faulen Eiern riechende Wasser geekelt. Danach steigt der Weg steil an durch den Fichtenwald. Im Wald treffe ich die ersten Schafe.

Kurz nach sechs bin ich auf dem Gipfel. Vor mir liegt das Schweizer Mittelland. In die andere Richtung sind die Berner Alpen von Wolken verdeckt. Ich suche eine Stelle eine flache Stelle ohne Schafmist am Boden. Leider ergibt die Suche keine Treffer und ich lasse das Kriterium „ohne Schafmist“ weg. Ich stelle das Zelt ein wenig westlich vom Gipfel auf. Ich setze mich in die Wiese und geniesse die Stille. Die Sonne färbt das ganze Land rot.

Die Nacht verläuft ruhig. Bis auf den Wind, der am Zelt rüttelt. Der Morgen beginnt früh. Die Berner Alpen strahlen in der Sonne. Es ist noch kalt. Ich esse mein Müesli im geöffneten Zelt. Die Welt zu meinen Füssen erwacht. Entfernt höre die ersten Geräusche des geschäftigen Lebens im Tal. Dazu gehöre ich heute nicht. Ich nehme mir Zeit. Geniesse. Langsam packe ich das Zelt zusammen. In ruhigen Schritten steige ich ab zur Passstrasse.

1 comment

  1. Genau dort habe ich auch mal übernachtet, aber ohne Zelt. Direkt unter dem offenen Sternenhimmel. Luftzug ist dort wohl immer. So toll der Sonnenunter- und Aufgang sind, aber dort oben hätte ich nie die gleichen Inspirationen gehabt, wie im Änziloch.

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