



Bevor wir in Amsterdam in den Zug einsteigen wiederholen wir nochmal den Fahrplan und Umsteigebahnhof. Danach schalten wir das Handy aus. Umgehend wird alles langsam. Statt einem Social Media Feed zieht die Landschaft an uns vorbei.
Unvorbereitet kommen wir in Winterswijk an. Wir folgen den Leuten. Die gehen bestimmt Richtung Stadtzentrum. Um besser zu verstehen, wo wir sind, besuchen wir das Tourismusbüro. Der freiwillige Mitarbeiter überschüttet uns mit Begeisterung und Tipps. Anscheinend haben wir den landschaftlichen und kulturellen Reichtum der Region unterschätzt.
Wir mache uns auf den Weg zur Unterkunft. Ich habe die genaue Adresse nicht aufgeschrieben, habe mir aber die Strasse gemerkt. Wir radeln Richtung Lichtenvoorde und halten Ausschau nach einem Bauernhof mit Zirkuswagen (Pipowagen). Wir finden zwar viele Bauernhöfe, aber kein Pipowagen und auch kein Schild.. Nach längerem Umherirren fragen wir einen Nachbarn, der sein Auto wäscht. Er zückt sein Handy und weist uns nach kurzer Suche die Richtung. So finden wir die den Bauernhof Logeerderij het Landleven dann doch noch.
Ein alter blauer Zirkuswagen wartet auf uns. Mit Blick auf Feld und Kühe. Ohne Handy ist alles langsam. Wir lesen. Schauen in die Landschaft. Spielen mit den Kühen. Kochen. Essen. Sitzen im Aussenpool. Lesen wieder.
Am nächsten Morgen fühle ich mich erholt wie selten. Meine Gedanken sind klar und ruhig. Wir frühstücken an der warmen Sonne. Ohne Ziel fahren wir mit dem Velo los und landen per Zufall in der Korenburgerveen. Wir verirren uns und entdecken dadurch schöne einsame Ecken. Zurück auf dem Baurnhof erzählt uns der Bauer von seinem Leben und den Tücken der niederländischen Landwirtschaftspolitik. Wir hören zu. Ohne anschliessenden Faktencheck.
Auf der Rückfahrt kommt es uns vor, als wären wir Ewigkeiten weg gewesen. Der Blick auf das Handy kann warten. Zu schön ist die Ruhe.