Normalerweise ist die Ausreise in einem Land einfacher als die Einreise. In China war es für Felix und mich anders rum. Die Grenze zwischen China und Pakistan kann nur an Bord eines staatlichen Bus überschritten werden. Die Tickets für diesen Bus waren ausverkauft. Nach zähem Verhandeln und einer Direktzahlung an den Fahrer, sassen wir dann doch im Bus. Im Gepäckabteil war noch Platz. Doch dann schloss der Busfahrer die Tür und verschwand. Lange geschah nichts, bis eine Chinesin im Bus die Polizei rief. Bald rückte die chinesische Polizei auf dem Hof des chinesischen Zoll in Tashkurgan an. Ein Polizist mit vielen Sternen auf den Schultern erklärte den Zöllnern, was er von diese zweistündigen Bus-Blockierung halte. Die Zöllner verstanden die Worte. Zehn Minuten später fuhr der Bus.
Angenehm war die Busfahrt nicht. Einige Pakistani hatten sich vor der Fahrt mächtig Alkohol in die Birne gekippt. Auf der pakistanischen Seite des Khunjerab-Pass ist das für Muslime illegal. Die Trinker versammelten sich in der Nähe unseres Gepäckabteils zum Rauchen. Die Stimmung war durch die Verspätung aufgeladen und agressiv.
Als wir den Pass und damit die Grenze China-Pakistan erreichten schlug die betrunke Energie in Patriotismus um. Im Bus riefen die Leute „Pakistan Zindabad – Lang lebe Pakistan“ im Chor. Die pakistanischen Touristen auf dem Pass begrüssten den Bus, als würde das Cricket-Team siegreich heimkehren. Sie klopften an die Fenster, schwenkten Fahnen und standen in die Fahrbahn um zu jubeln. Felix und ich erwarteten jeden Moment Freudenschüsse aus einer Kalaschnikov. Diese blieben aber aus.