Wer hat gesagt, dass Britisches Essen schlecht ist? Wenn man
all die Sachen, die in Wannen von Öl baden und nach Fritteuse schmecken einmal
ausser Acht lässt, habe ich schon wieder einige unglaublich feine Sachen
gefunden, die ich ¸ber die Jahre in denen ich nicht auf der Insel war, fast
schon vergessen hatte. Scons kommen an erster Stelle. Für alle noch-nicht
Englandkenner, es handelt sich um eine Art Rosinenbrötchen, runde Dinger aus
bröselndem weichen Teig, die meist mit Rosinen oder anderen Fr¸chten versehen
sind. Ich liebe diese Dinger! Wenn man ein Fan des Toastbrotes ist, ist man
hier im Paradies angekommen. Mehrere Meter lange Regale mit den verschiedensten
Sorten, die wir uns als Einwohner des kontinentalen Europas nicht erträumen
können, säumen die Supermärkte. Heute Morgen wurde gerade in der Werbung eine
ganz neue Toastbrotsorte vorgestellt: eine zartschmelzende Mischung aus Roggen
und Weizen mit Sesam versehen und mit einem Hauch Honig abgeschmeckt…scheint
ein Geschmackserlebnis zu versprechen, ich werde Euch berichten. Trotz alledem
habe ich schon heute sehr neugierig in eine französische Bäckerei durchs
Schaufenster gelinst, die Begeisterung für all das weiche, flauschige, brotige
Etwas ist wahrscheinlich nicht von Dauer. Wofür ich aber sofort absolut zu
begeistern bin, sind die unzähligen indischen Gerichte die hier Einzug gehalten
haben. Curries ohne Ende, auch in Fertigform, oder noch besser bei einem
g¸nstigen Indischen Restaurant ums Eck, sind ein Gedicht. In diesem Sinne ein
ausnahmsweise äusserst positiver Effekt der Kolonialgeschichte. Dazu gehört auch
der Tee. Als wir unsere WG begutachteten, ist uns vor allem Eines aufgefallen:
für einen Studentenhaushalt und das sonst eher spärlich eingerichtete und
ausgestattete Haus, gab es absolut überproportional viele verschiedene
Teesorten (siehe Bild!). So bekommen wir auch täglich von George, unserem
Mitbewohner, viel Tea with mild and sugar und sogar Benedikt, der anfänglich
resistent die Nase rümpfte, ist auf den Geschmack gekommen. Fish & Chips
haben wir bis jetzt allerdings noch nicht getestet, eine kleine Spelunke in
einem Fischerort nahe Canterbury hat uns zwar angelockt, wir haben uns dann
aber in letzter Minute auf Grund gähnender Leere des Lokals und merkwüdiger
Gerüche doch für ein Stück italienische Pizza entschieden. Manche Gerüche sind
eben doch noch gewöhnungsbedürftig, vor allem das, was mich heute Morgen geweckt
hat…unsere Mitbewohnerin hat um 9h ein riesen St¸ck Bacon in der Pfanne schmurgeln
lassen und es genüsslich mit viiiieeeeeeel Majo und Ketchup verdrückt: Guten
Appetit!
Geschrieben von Sarah Netzhammer.
